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Neustifter Sternsingen


Das 1142 gegründete Kloster Neustift hatte schon früh eine eigene Schule, die auch Singknaben für den Gottesdienst ausbildete. Die feierliche und kunstvolle Gestaltung war eine besondere Aufgabe des geistlichen Wirkens. Die Chorherren bemühten sich, dem gläubigen Menschen das bildlose Geschehen durch figürliche Darstellung zu veranschaulichen und dadurch zu einem vertieften Erleben zu führen.
Das Kloster Neustift gilt als Mutterboden der Tiroler Spielkultur. So ist es nicht zu verwundern, dass auch der Dreikönigsaufzug – das Sternsingen – wie wir es heute nennen, hier einen großen Stellenwert gehabt hat. Als Tirol zu Bayern kam, wurden mit Dekret vom 17. September 1807 die Tiroler Stifte aufgelöst. In Neustift wurde die Singschule geschlossen, das Klosterleben wurde erstickt, die alten Traditionen verloren an Bedeutung. Nach der Säkularisation etwa ab 1816 ist dann das Dreikönigssingen nicht mehr aufgegriffen worden.
1922 übernahm Prof. Josef Gasser die Stelle des Stiftskapellmeisters. Er kannte die Musikgeschichte des Stiftes und wusste Bescheid über die Tradition des Sternsingens. Er komponierte eine Reihe von Liedern für 3-stimmigen Oberchor und Bassstimme, die er als Begleiter der Gruppe selber sang.
1924 zogen die Sternsinger, damals Schüler der klösterlichen Singschule, erstmals wieder aus. Auch Buben des Dorfes durften am Gesangsunterricht in der Singschule und somit auch am Sternsingen teilnehmen. Anfangs der 50er Jahre führten diese, inzwischen in die Unterstimme gekommen, das Sternsingen weiter. Josef Gasser, mittlerweile fast 80-jährig, freute sich, dass diese Tradition weitergeführt wurde und komponierte dafür eigene Lieder für vierstimmigen Männerchor.
Als dann am 10. Jänner 1957 der große Meister und Freund des Sternsingens starb, nahmen die jungen Männer diesen Brauch als Erbschaft an. Sie gründeten 1959 den Männerchor Neustift mit dem Ziel, das Erbe des geschätzten Lehrmeisters lebendig zu halten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Es ist oberstes Ziel auch unserer Sängergeneration, den schönen Brauch, der Prof. Josef Gasser so sehr am Herzen gelegen hatte, in seinem Sinne weiterzuführen.
So sind es jedes zweite Jahr Männer des Männerchores Neustift, die bei den Familien des Dorfes ihre Lieder vortragen. Die Sternsinger nehmen ihren Ausgang vom Kloster. Die Gruppe besteht aus neun Personen, da jeder König zwei Diener im Gefolge hat. Bezeichnend sind die kostbaren Gewänder orientalischer Prägung, die Feierlichkeit, die getragene Würde und das tiefe Schweigen vor ihrem Auftritt.
Die Lieder stammen großteils von Prof. Josef Gasser und Prof. Martin Peintner. Die Texte sind Verkündigungstexte, die die Freude über die Geburt Christi zum Ausdruck bringen.
Was die Menschen an den Neustifter Sternsingern beeindruckt, ist neben dem harmonischen Gesang besonders das würdevolle Auftreten der Gruppe und nicht zuletzt die deutlich spürbare Übereinstimmung der Mitwirkenden mit ihrem Tun, mit dem bewusst übernommenen Auftrag, eine Botschaft zu vermitteln. Dies alles ergibt letztendlich eine Atmosphäre, der sich wohl kaum jemand entziehen kann und die dem Neustifter Sternsingen ein unverwechselbares Gepräge verleiht.
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